Dienstag, 10. September 2013

Hüftprothesen: Kleine technische Wunderwerke im menschlichen Körper

Bei Hüftprothesen handelt es sich um Implantate, die eine geschädigte Hüfte teilweise oder in Gänze ersetzen. Implantate solcher Art verbleiben für immer im Körper.  In diesem Zusammenhang fällt auch oftmals der Begriff Endoprothese. Unter diesen Sammelbegriff fallen allerdings nicht nur Hüftprothesen, auch Schulter-, Ellenbogen- und Knieprothesen werden als solche bezeichnet. Die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks gilt im Bereich der Orthopädie als besonders Erfolg versprechend. Bereits im Jahr 1890 wurden Hüftköpfe aus Elfenbein hergestellt. Die damaligen Hüftprothesen waren den jetzigen bereits äußerst ähnlich, doch es kam immer wieder zu Infektionen und die Prothesen konnten nicht ausreichend verankert werden.  Ein paar Jahre später begannen die Chirurgen in Europa und in den USA mit Hüftköpfen aus Plexiglas und diversen Metalllegierungen zu experimentieren.  Mit der Erfindung eines Zementklebers kam es schließlich zu einem erfolgreichen Durchbruch in der Geschichte der Hüftprothesen. Damit konnten die eingesetzten Prothesen wesentlich effektiver mit dem Knochen verankert werden. Sir John Charnley gilt als Erfinder dieses Zementklebers. Darüber hinaus konnte er zum ersten Mal in der Geschichte einen Hüftkopf aus Metall mit einer Kunststoffpfanne kombinieren. Auf diese Art und Weise wurde die Gleitfähigkeit wesentlich verbessert. Hans-Wilhelm Buchholz war es, der im Jahr 1963 letztendlich die erste künstliche Hüfte in Deutschland implantierte.  Die Infektionsgefahr konnte vehement gesenkt werden, da Buchholz dem Knochenzement Antibiotika beifügte.

Man forscht jedoch bis heute daran, welches Material sich am besten für die Hüftprothesen eignet. Die medizinischen Techniker arbeiten unermüdlich daran, Hüftprothesen so zu gestalten, dass sie eine äußerst lange Nutzungsdauer haben.  Der Eingriff selbst ist selbstverständlich mit Risiken verbunden, zählt jedoch zu den sichersten Operationen in der Orthopädie.  Wenn man einen solchen Eingriff durchführen lassen muss, kann man sich entweder für eine Vollnarkose oder für eine Spinalanästhesie entscheiden. Zuerst werden alle Gelenkoberflächen, die beschädigt sind, und der bisherige Gelenkkopf am Oberschenkel entfernt. Der verbleibende Knochen wird anschließend für die Hüftprothese vorbereitet.  Schließlich wird das Implantat an die ideale Position gesetzt und die zwei Gelenkkomponenten werden miteinander verankert. Heute sind die Chirurgen in der Lage Hüftprothesen innerhalb von ein bis zwei Stunden einzusetzen.  Nach einem solchen Eingriff beginnt die krankengymnastische Bewegungstherapie. Bei zementierten Hüftprothesen startet die Mobilisation bereits am ersten Tag nach der Operation.  Die Patientin beziehungsweise der Patient ist sofort in der Lage die ersten Schritte unter Vollbelastung zu gehen. Wenn zementfreie Hüftprothesen eingesetzt werden, dürfen die Prothesen in den ersten Wochen nicht belastet werden.  Die knöcherne Integration verläuft dadurch erheblich effizienter. Natürlich lässt es sich nicht vermeiden ein intensives Rehabilitations-Programm zu absolvieren. Nur so erreicht die Hüfte wieder volle Einsatzfähigkeit. 

90 Prozent sämtlicher Patienten können nach einem solchen Eingriff wieder schmerzfrei laufen und stehen. Dies konnte aufgrund von Langzeitstudien gezeigt werden. Nicht nur die Operationstechniken, sondern auch die Hüftprothesen selbst haben im Laufe der Zeit eine enorme Entwicklung erlebt, welche jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Zum Beispiel werden momentan in Linz erstmalig sogenannte Mini-Hüftprothesen eingesetzt. Diese haben einen äußerst kurzen Schaft und dadurch wird die Operation wesentlich einfacher. Denn es wird kein so großer Hautschnitt mehr benötigt.  Durch die Mini-Prothesen kann außerdem eine bessere Gewebeschonung erzielt werden. Den Chirurgen und Technikern liegt sehr viel daran, die Methoden und Techniken immer weiterzuentwickeln und für die Patienten zu verbessern. 

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